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Felis Vigor - Seite 3
„Du hast Recht, wir sollten ihn begraben!“ Der dritte Reiter rutschte aus dem Sattel. „Beim Mond, er atmet! Schnell, Kasur, gib mir dein Wasser!“ Aufgeregt winkte der erste Reiter dem dritten Begleiter zu. Er hob den Kopf von Nurel und flößte ihm das Wasser ein. „Komm schon, junger Freund, öffne deine Augen! Du hast nichts mehr zu befürchten!“ Benommen blinzelte Nurel mit den Augenlidern. „Das Sonnenlicht blendet ihn! Gewiss kennt er nur die Dunkelheit!“, bekundete der kräftige Reiter mit dem Zopf. „Wir nehmen ihn mit uns!“ Der erste Reiter nahm Nurel auf den Arm, hob ihn auf sein Pferd und setzte sich dazu. „Lass deine Augen zu! Es wird einige Zeit vergehen, ehe du dich an das Sonnenlicht gewöhnt hast.“ Er legte seinen Arm um den geschwächten Körper. Nurel hatte Mühe, aufrecht sitzen zu bleiben. „Wir reiten weiter!“, rief der athletische Reiter und trieb sein Pferd an. „Wir müssen deine Wunden reinigen, sonst entzünden sie sich! Welches Tier hat dich angegriffen?“ „Weiß nicht!“, nuschelte Nurel. Schweigend trabten sie weiter. Endlich glaubte Nurel sich an das Licht gewöhnt zu haben. „Die Sonne ist untergegangen. Jetzt vermagst du gewiss besser zu sehen!“ Der Reiter nahm seinen Arm zurück, er hielt das Pferd an und stieg ab. „Sorgt ihr für das Abendmahl, ich werde mich um den Jungen kümmern!“, er hob Nurel vom Pferd und stellte ihn auf seine Beine. Die beiden Begleiter ritten davon. Vor ihnen lag ein herrlicher Waldsee. Eine Uferhälfte war vom Feuer vernichtet worden. Die andere Hälfte des Sees wurde von einem unberührten Wald mit Moos und Farnen umsäumt. „Du solltest als Erstes baden gehen und das Blut von deinem Körper waschen. Du kannst doch schwimmen?“, fragte der Reiter. „Schwimmen?“, Nurel grübelte. Er wusste es nicht. Zitternd setzte er einen Fuß vor den anderen. Bis seine Beine im Wasser standen. Beim nächsten Schritt fand er keinen Boden unter den Füßen und tauchte in der Tiefe des Sees unter. Kalt und dunkel war es hier unten. Diese dunkle Kälte hatte etwas Vertrautes an sich. Plötzlich griff eine Hand unter seine Schulter und zog ihn an die Wasseroberfläche zurück. Der Reiter setzte Nurel in das flache Wasser: „Wie ist dein Name?“ „Nurel!“, flüsterte er. „Nurel! Ich bin Jasur! Was hatte Vamun mit dir vor?“, erkundigte er sich freundlich. „Vamun? Wer ist das?“, Nurel zog seine Stirn kraus. „Der rote Meister, Vamun!“ Jasur stutzte. „Aber wer hat dich dann so gequält?“ Nurel sah den Mann an. Er hatte große dunkelbraune Augen, hellbraunes, schulterlanges Haar, eine schmale, gerade Nase und einen Vollbart. „Ich habe dich beobachtet, du kannst kaum laufen. Deine Hände und Füße verraten eine lange Gefangenschaft. Wer, außer Vamun, würde das einem Kind antun?“ Nurel konnte sich an nichts erinnern. Nur die letzte Nacht blieb ihm im Gedächtnis. Wie sollte er all diese Fragen beantworten können?
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