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Felis Vigor - Seite 2
Das frische Blut würde mit Sicherheit die Wölfe anlocken. War sein Schicksal besiegelt? Unerwartet stellte er fest, dass der Strick an seinem linken Handgelenk etwas nachgab. Er sammelte all seine Kraft und zog mit der Hand kräftig an seinen Fesseln. Er presste dabei die Lippen aufeinander. Endlich löste sich der Knoten. Aufgebracht streifte Nurel seine Augenbinde ab, entfesselte zuerst seine rechte Hand und schließlich seine Füße. Ein markerschütternder Schrei aus der Ferne hallte durch die Nacht. Nurel schaute sich um. War er nicht der Einzige, der hier gequält wurde? Ringsherum erblickte er die verkohlten Baumstümpfe, Reste eines niedergebrannten Waldes, so weit er sehen konnte. Genau über ihm standen die beiden Monde und beleuchteten seinen Körper. Sein Rumpf, die Gliedmaßen, alles war blutverschmiert. Doch bis auf die Abschürfungen an seinen Handgelenken und die Wunden der Tierkrallen konnte er keine Verletzungen entdecken. Warum sollte man ein Geschöpf mit Blut besudeln? Was hatte das für eine Bedeutung? Wenn er überleben wollte, musste er hier schnellstens verschwinden. Energisch stand er auf. Seine Beine wollten ihn kaum tragen. Kraftlos und zitternd setzte er einen Fuß vor den anderen. Das Gehen viel ihm entsetzlich schwer, als wäre er schon sehr lange nicht mehr gelaufen. Was war nur mit ihm geschehen? Wie sollte er diesem Mann entkommen? Bestimmt würde er seine Fußspuren verfolgen. Weit und breit gab es kein Gestrüpp, mit dem man die Fußstapfen verwischen konnte. Nurel kam nur schwerlich vorwärts, bis er geschwächt zu Boden viel. Schwarze Erde klebte an seinen Wunden und vermischte sich mit dem heraustropfenden Blut. Mühsam versuchte er wieder aufzustehen. Seine Arme waren wesentlich kräftiger. Sofort kam ihm der Gedanke zu kriechen. Auf den Händen und Knien ging es wesentlich schneller voran. Doch bald verließen ihn seine Kräfte. Schnaufend brach er ohnmächtig zusammen. Wohltuende Wärme spürte Nurel auf seinem Rücken. Blinzelnd hob er seinen Kopf. Das grelle Licht schmerzte in seinen Augen. Schemenhaft erkannte er nur Silhouetten. Seine kraftlosen Beine würden ihn nicht weit tragen, das helle Licht machte ihn fast blind. Der knurrende Magen und sein ausgetrockneter Rachen machten ihm augenblicklich bewusst, wie aussichtslos seine Lage war. Aber aufgeben, kam nicht in Frage. Wild entschlossen stand er auf und ging mühsam Schritt für Schritt weiter. Die Sonne stand bereits hoch am Himmel. Nurel schmerzte die Kehle vor Durst. Seine Augen hatten sich immer noch nicht an die Helligkeit gewöhnt. Völlig entkräftet taumelte er mit geschlossenen Augen vorwärts, bis er einen Abhang hinunterstürzte, sich einige Male überschlug und bewusstlos liegen blieb. „Was für ein barbarischer Anblick!“ Mitleidig sah ein großer, athletischer Reiter auf Nurel herab. „Dem Mond sei gedankt! Der rote Meister ist besiegt! So etwas wird in der kommenden Zeit hoffentlich nicht mehr vorkommen“, seufzte der große kräftige Mann. Seine langen schwarzen Haare hatte er zu einem Zopf zusammengebunden. „Wie abgemagert er ist! Bestimmt hat man ihn verhungern lassen!“, klagte der dritte Reiter, der ebenfalls schlank und groß war. „Er war fast noch ein Kind!“, der athletische Reiter stieg ab. Er legte Nurels leblose Hände auf den Bauch. „Wir sollten ihn nicht so offensichtlich liegen lassen.“
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