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Abenteuer im Märchenland

Franzls Geduld wurde sehr auf die Probe gestellt. Die nächsten drei Tage regnete es in Strömen. Und das bedeutete, dass abends der Himmel bedeckt war und kein Mondlicht durch die dicke Wolkenschicht drang.
Und dies brauchte Franzl, denn sonst ließ sich das geheimnisvolle Märchenbuch nicht öffnen, das im Regal stand.
 
König Drosselbart wollte es Franzl und Stoffel beim nächsten Mondschein ermöglichen, einmal das Märchenland von innen zu erleben. Der Junge hatte sich schon für eine Geschichte entschieden, die er miterleben wollte.
Aber der verflixte Mond wollte einfach nicht scheinen. Jeden Abend legte Franzl das alte Buch auf sein Bett und stand dann lange Zeit am Fenster und schaute mit seinem Hund zusammen in den Wolkenhimmel. Aber durch Blicke ließ sich das Mondlicht nicht herauszaubern.
Da hieß es nur Geduld und nochmals Geduld haben.

Am vierten Abend wurde seine Ausdauer belohnt. Den ganzen Tag lachte die Sonne vom Himmel und kein noch so kleines Wölkchen war zu sehen. Die Laune des Jungen wurde von Stunde zu Stunde besser.
„Heute wird es klappen“, flüsterte er Stoffel zu, nachdem sie einen langen Spaziergang unternommen hatten.
Und der Wetterbericht hielt, was er versprach. Als es dunkel wurde stand der Mond schon zwischen den Sternen und schaute etwas schief nach unten. Er war bereits in seine abnehmende Phase gelangt und zeigte nur noch dreiviertel seinen Volumens. Das würde doch hoffentlich nicht stören?

Noch wenige Minuten und ein Lichtstrahl drang durch das Fenster und fiel auf das alte Märchenbuch, das Franzl schon bereitgelegt hatte.
Schnell öffnete er es und suchte die Geschichte von Drosselbart. Dieser war ausnahmsweise in seinem eigenen Märchen zu finden.
Als er Franzl sah, hüpfte er aus der Buchseite und landete auf der Bettdecke.
„Hallo Franzl“, begrüßte er den Jungen. „Was willst du heute unternehmen?“
„Du hast mir doch versprochen, mich in eines der Märchen mitzunehmen. Gilt das noch?“, fragte Franzl.
„Natürlich“, gab Drosselbart zur Antwort. „In welche Geschichte möchtest du denn gerne?“
„Ich dachte mir, vielleicht kann ich die Rosenhecke um Dornröschens Schloss eher bezwingen als die sieben Zwerge es bei unserem letzten Abenteuer taten“, schlug Franzl vor. „Sie haben sich ja nur an den Dornen gestochen und wurden von ihnen zerkratzt.“
„Gut. Einverstanden“, sagte der König und schlug die entsprechenden Seiten auf. „Dann komm mit.“
Franzl überlegte kurz, und eilte dann zu einem Schrank, wo er die zweite Schublade aufzog.
„Beeil dich, Junge“, drängelte Drosselbart. „Der Mond scheint nicht ewig ins Zimmer. Und ist er um die Ecke verschwunden, dann musst du so lange im Buch bleiben, bis dich im nächsten Jahr ein anderes Kind daraus erlöst.“
„Wieso im nächsten Jahr“, fragte Franzl erstaunt, während er eine kleine Heckenschere und feste Gartenhandschuhe aus der Schublade zog.
„Ganz einfach. Der Zauber in diesem Buch wirkt nur eine Woche lang in der Zeit um die Sonnwende, also um den 22./23.Juni. Danach erlischt er wieder und erhält erst im nächsten Jahr um dieselbe Zeit seine Wirkung zurück. Allerdings nur bei Mondlicht. Ist der Himmel bedeckt, fällt der Zauber ein Jahr lang aus. Also spute dich, denn heute ist die letzte Gelegenheit für einen Besuch im Märchenland. Morgen endet die Kraft des Mondzaubers.“
Schnell lief Franzl mit Handschuhen und Schere bewaffnet zum Bett zurück.
„Gib mir deine Hand“, forderte der König ihn auf. „Ich führe dich nun ins Märchenland.“
„Stoffel muss auch mit“, rief Franzl und packte den Hund am Halsband. Genau im richtigen Augenblick, denn beim nächsten Atemzug standen alle Drei bereits vor dem Dornröschenschloss.
„Wie ist das jetzt so schnell gegangen? Wie hast du das gemacht?“, fragte der Junge Drosselbart.
Dieser schmunzelte und sagte: „Das ist das Geheimnis der Zauberwelt und es darf kein Erdenmensch davon erfahren, denn sonst verliert sich die Zauberkraft.“

Franzl fragte nicht weiter, sondern schaute sich verzückt um. Das vor ihm liegende Schloss war riesig und über und über mit rosa blühenden Rosenhecken überzogen. Als die Drei sich dem Gebäude näherten, konnten sie die großen spitzen Dornen schon von weitem sehen. Kein Wunder, dass die kleinen Zwerge keine Chance hatten zu Dornröschen vorzudringen.
„Aber ich habe vorgesorgt“, sagte Franzl laut. Stoffel und der König sahen ihn von der Seite an. „Was meint ihr, warum ich mir Handschuhe und Rosenschere aus dem Gartenhäuschen meines Onkels geklaut habe?“ Der Junge machte eine kurze Pause, bevor er fortfuhr. „Damit ich die Dornenhecke abschneiden kann.“
Schon trat er an das dichte Dornengestrüpp heran und setzte die Schere an. Mit den behandschuhten Händen griff er nach den abgeschnittenen Stielen und zog sie heraus. Stolz auf sein Werk legte er den stacheligen Abfall ins Gras.
Doch was war das?

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